AUS DER PRAXIS

Ausstattung des Krisenstabs

Text: Jürgen Schreiber | Foto (Header): © snyGGG – stock.adobe.com

Damit die Einsatzleitung eines Betriebs lageangemessen arbeiten kann, sind Ressourcen wie die geeignete Raumstruktur, funktionierende technische Ausstattung und leicht anwendbare Mediale Ausstattung Grundvoraussetzung sichergestellt.

Auszug aus:

Der Brandschutzbeauftragte
Ausgabe August 2022
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Bei der Ausstattung des Krisenstabs ist zu berücksichtigen, dass die Ressourcen im Alltagsbetrieb des Unternehmens regelmäßig Anwendung finden. Dieses ist nicht nur zur Kostenersparnis, sondern vor allem, um allen Beteiligten der Einsatzleitung ein routiniertes Arbeiten in bekannter Umgebung zu ermöglichen. Der erfahrene Umgang mit Arbeitsmitteln im alltäglichen Umfeld ist ein wichtiger Faktor für Menschen, auch in besonderen Situationen erfolgreich multiprofessionelle Arbeit leisten zu können. Unabhängig von dem Tagesgeschäft bereitgestellte Einrichtungen und Gegenstände bedürfen der regelmäßigen und engzyklischen Wartung, damit sie im Bedarfsfall auch funktionsfähig sind. Daher ist das ggf. durch die Betriebsleitung im Sinne der Vorbereitung auf besondere Ereignisse im Bedarfsfall zu regeln.
Selbstverständlich ist es ein natürliches Bestreben einer Einsatzleitung, sehr nahe an dem Ereignisort zu sein. Dagegen spricht, dass dort vor dem Eindruck dringender operativer Abläufe der Schadensbegrenzung die Einsatzleitung Gefahr läuft, sich in Details und deren Steuerung zu verlieren, anstatt strategisch-taktische Ziele zu definieren und umzusetzen. Im Übrigen darf an dieser Stelle wohl gesagt werden, dass gerade diese operativen Abläufe vor Ort außerordentliche Fähigkeiten in Form von Prozessablaufkenntnis, Anlagenkenntnis und handwerklichem Können erfordern, das oft eben nur das dort eingesetzte Personal haben kann und nicht Leitungs- und Führungskräfte, die ein ganz anderes Aufgabenprofil im Betrieb haben.

Räumliche Ausstattung

Als „Krisenstabsraum“ oder „Einsatzleitungsraum“ bieten sich Besprechungszimmer an. Diese Räume sind oft zentral gelegen, vor Betriebsgeräuschen geschützt und meist mit einer guten Medienvielfalt ausgestattet. Neben dem eigentlichen Leitungsraum ist vor allem in der BAO-Stufe C sinnvoll, benachbarte Räume, z. B. Büros oder Pausen- und Aufenthaltsräume mit einzubeziehen, wenn z. B. in kleineren Planungsgruppen des Einsatzleitung Entscheidungsvorlagen erarbeitet oder Planungsgespräche mit Auftragnehmenden für die Lagebewältigung notwendig werden. Dies dient dazu, dass die konzentrierte Funktionsarbeit im Leistungsraum möglich bleibt und so wenig wie möglich in Untergruppen diskutiert und besprochen wird. Eine gute Raumaufteilung des Leitungsraum hat neben Tischsitzplätzen für die Funktionspersonen auch Ablagen für Drucker, Büromaterial, persönliche Versorgung, etc. Kernstück des Raums sollte die Lagevisualisierung z. B. auf Metaplanwän-den mit Layoutplänen des/der Betriebsstätte und Übersichten zum Schaden- oder Notfallereignis sein.

Modell eines Raums für die Einsatzleitung; Bild: © Jürgen Schreiber

Vorschlag für Technische Ausstattung

  • Zeitgemäße büroübliche Raumdeckenbeleuchtung
  • Ggf. arbeitsplatzbezogene Beleuchtung
  • Verdunkelungsvorrichtung vor Fenstern (Sonneneinstrahlung)
  • 230V-Ladeanschlüsse für jeden Arbeitsplatz (Mobiltelefon, Laptops)
  • 230V-Wandanschlussdosen für mediale Raumausstattung
  • Mindestens 2 Notstromnetz (mind. USV) gespeiste 230V-Anschlüsse
  • Stabiles WLAN-Netz mit Zugangsdaten (alternativ LAN-Anschluss/Arbeitsplatz)
  • Telefonanschluss an jedem Arbeitsplatz (gemischt, drahtgebunden und mobil)
  • Mindestens 3 Mobiltelefone (nicht personengebundene Redundanz)
  • Alarmierungssystem zur Alarmierung beteiligter Personen in die Einsatzleitung

Vorschlag für Mediale Ausstattung

  • Videokonferenzanlage (alternativ Telefonkonferenzanlage)
  • Stationärer Beamer (alternativ Großbildschirm) mit entsprechenden Leitungssätzen
  • PC-Rechner oder Laptop mit Firmennetzanschluss
  • Mindestens ein Drucker-/Kopier-/Faxgerät mit Druckansteuerung von jedem Platz
  • Firmennetz unabhängiger, internetfähiger Laptop als Ausfallredundanz
  • Whiteboards und 4-farbige Whiteboard-Marker-Sets
  • Nadelsteck-Stelltafeln (z. B. Metaplan) mit handelsüblichem Moderationsmaterial
  • Speichergerät/Arbeitsplatz (z. B. gesicherte, firmeneigene USB-Sticks)
  • Diktiergerät (z. B. zur Dokumentation von Entscheidungen oder Arbeitsergebnissen)
  • Von allen Arbeitsplätzen einsehbare, autonom arbeitende Wanduhr
  • Vielfache, büroübliche Grundausstattung

Vorschlag für Organisatorische Ausstattung

  • Einsatzleitungsplan (z. B. Krisenreaktionsplan) des Betriebs mit Zuweisung von Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen für jede Funktion in der Einsatzleitung und beschriebenen Abläufen zur Zusammenarbeit
  • Vorlage eines Einsatztagebuchs zur Ablaufdokumentation
  • Vorlage einer Agenda für Lagebesprechungen
  • Vorlage für Besprechungsprotokolle
  • Vorlage für Auftragsformulierungen
  • Vorlagen zur Dokumentation von ein- und ausgehenden Meldungen (z. B. Nachrichtenvordrucke)
  • Funktionsplatzbezogene Checklisten zur Orientierung als Aufgabensteuerung
  • Funktionsplatzbezogene Ablagen für ein- und ausgehende Meldungen und Informationen
Der Autor

Jürgen Schreiber, vor seiner Pension als Leiter der Werkfeuer­wehr eines Automobilherstellers tätig, ist nun Inhaber einer Konsultanz für präventives und reaktives Notfall- und Krisenmanagement mit Spezialisierung auf Einsatzleitung, Stabsarbeit sowie betriebliches Notfall- und Krisenmanagement im Betrieb. Zusätzlich ist er im nationalen und internationalen Krisenmanagement tätig.

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